Beschreibung meiner Dissertation im Fach „Medienwissenschaft“ an der Universität Hamburg, die sich mit dem Nachlass des privaten freien Filmherstellers Horst Klein aus der DDR im Filmmuseum Potsdam und der Position von freischaffenden Filmemachern in der DDR auseinandersetzt.

Ein Blick auf Film und Fernsehen der DDR durch das Werk des privaten freien Filmherstellers Horst Klein

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Mein Dissertationsvorhaben (betreut von Prof. Dr. Thomas Weber von der Universität Hamburg und Prof. Dr. Ursula von Keitz von der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF) knüpft lose an meine Forschungsarbeit über das Werk des Potsdamer Amateurfilmers Dr. Karl-Heinz Straßburg an, die im Rahmen des im Filmmuseum Potsdam angesiedelten und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg geförderten Projekts „Regionale Bilder auf Filmen (1950-1990)“ entstand. Ein Projekt, in dessen Verlauf ich von 2014 bis Ende 2017 auch bei Sichtung und Erschließung mehrere Filmbestande aus DDR-Amateurfilmstudios eingebunden war.
Eine Weiterführung meines Forschungsschwerpunktes bildet hier auch meine Masterarbeit („Geschichte(n) der DDR. Betrachtung des Internet-Archivs. ,Wir waren so frei … Momentaufnahmen 1989/1990‘ mit Jean-Luc Godard“) an der Universität Potsdam aus dem Jahr 2013, in der ich mich mit einem Amateurfilmarchiv der Deutschen Kinemathek auseinandergesetzt habe.

Mein Promotionsvorhaben befasst sich hingegen mit dem Werk des privaten freien Filmherstellers Horst Klein (1920 – 1994), der als Freischaffender sowohl für mehrere staatliche Institutionen in der DDR als auch ab 1953 (also bereits knapp  ein Jahr nach dem Start des offiziellen Versuchsprogramms), für das staatliche Fernsehen, den DFF (Deutscher Fernsehfunk, später Fernsehen der DDR), tätig war. Private freie Filmhersteller, d.h. freischaffende professionelle Filmemacher, die in Personalunion und im eigenen Studio Auftragsproduktionen drehten, bilden in der streng institutionalisierten DDR eine wichtige Ausnahme. Sie befinden sich in einer Position zwischen dem staatlich kontrollierten Amateurfilmwesen und den staatlichen Medienanstalten wie der für Spiel- und Dokumentarfilm zuständigen Deutschen Film AG (DEFA) und dem DFF und ergänzten auf vielfältige Art und Weise die Medienlandschaft der DDR .
Dabei produzierte Klein in seiner 53-jährigen Karriere als private freier Filmhersteller ungefähr 901 Filmbeiträge bzw. genauer Gebrauchsfilme.

Ausgehend von Kleins bedeutender professioneller Karriere als Freischaffender, widmet sich die Dissertation daher der Frage: „Wie groß war der Beitrag Horst Kleins für die Gebrauchsfilmproduktion der SBZ und der DDR wirklich und wie konnte er sich während dieser Zeit im wandelnden System der Film- und Fernsehproduktion des Landes als ‚privater freier Filmhersteller‘ behaupten?„.
Dabei geht es nicht um das filmische Bild und damit um eine Filmanalyse, sondern darum, welches Bild der DDR und ihrer Medienlandschaft unter Berücksichtigung eines freischaffenden Filmemachers innerhalb eines institutionalisierten und sozialistisch geprägten Systems entsteht.

Das Vorhaben bedient sich sowohl der Gebrauchsfilmforschung, als auch der Production Studies und Ansätzen der Biographieforschung. In der Dissertation wird daher auch den sozialen, ökonomischen und kulturellen Faktoren Rechnungen getragen, in denen die Filme entstanden sind. Ausgehend von dem im Filmmuseum Potsdam überlieferten Nachlasses Kleins, der sowohl Filme als auch persöhnliche Tagebücher und Produktionsunterlagen umfasst, werden für die Untersuchung des Werks die Produktionskontexte der Filme analysiert und diese mit der Selbstdarstellung von Klein und seiner Arbeit in seinen Tagebüchern gegengelesen.