Im Rahmen des vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg geförderten Projektes „Regionale Bilder auf Filmen (1950-1990)“, habe ich Ende 2015 in meiner Funktion als Teilzeit Mitarbeiter im Filmmuseum Potsdam zusammen mit Dr. Ralf Forster und Matthias Struch vom Filmmuseum und Carsta Knaack in der dritten Projektphase dieses Mal drei Filmbestände von Amateurfilmstudios aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik erschlossen und digitalisiert.

Der erste gesichtete Filmbestand war der des Amateurfilmzentrums Bernaus, das beim VEB Plast‐ und Schichtpreßstoffwerk (SPW) Bernau angesiedelt war. Unter der Leitung von Armin H. Liersch profilierte sich das Amateurfilmzentrum Bernau in den 1970er Jahren dann zu den künstlerisch herausragenden Amateurfilmgruppen der DDR. Die Filme, alle auf 16mm Film gedreht, behandeln vorrangig lokale Themen wie z.B. die Stadthistorie von Bernau („Bürger, Häuser und Geschichten“ von 1978) oder die Übungen der Kampfgruppenhundertschaft Bernau („AKTION ,Waldfrieden‘“ von 1974). Für die Auswahl der Themen gab es nach eigenen Angaben „Richtlinien“, sodass heikle Themen vermieden wurden. Auch der Geldgeber/Träger, der VEB Plast‐ und Schichtpreßstoffwerk, prüfte die Themenvorschläge. Der Bestand des Amateurfilmzentrum ist heute im Filmmuseum Potsdam überliefert, das auch die Rechte an den Filmen wahrnimmt.

Filmstill aus „Ausschnitte Amateurfilmkino Bernau“ (AvT) (1974) des Amateurfilmzentrums Bernau. Mit freundlicher Genehmigung des Filmmuseums Potsdam.

Nach Sichtung der Filme, habe wir aus dem 610 Rollen umfassenden Bestand schließlich eine Auswahl von 11 Filmen getroffen, die repräsentativ für den gesamten Bestand stehen. Filmclips sowie Beschreibungen zum Amateurfilmstudio und den Filmen sind nun auf der Seite von Musem Digital: Brandenburg zu finden.

Der zweite Bestand den wir gesichtet haben, war der des Amateurfilmclubs des Ministeriums für Verkehrswesen Berlin (AFC/MfV). Die Filmarbeit des Amateurfilmclubs begann 1973.
Das Studio besaß neben Normal 8- und Super 8-Kameratechnik auch Zweibandgeräte für die Arbeit mit Ton. Ab 1985 verfügten die Amateure für Vorführungen auch über einen 8mm Eumig-Projektor mit Magnettonwiedergabe von Randspuren. Bis 1989 entstanden 26 Filme auf Normal 8 und (überwiegend) auf Super 8. Eine 16mm-Produktion besaß der Amateurfilmclub nicht.
Der thematische Schwerpunkt der Filme lag auf Satire, Humor, Witzfilmen, Film-Gags und nicht auf „Verkehrsfilmen“. Einzige Ausnahme bilden hier die Filme „150 Jahre Eisenbahn“ (1985), der sich mit der Geschichte der Eisenbahn befasst, und „Eine Nacht mit 99“ (um 1989), über die Harzquerbahn. Der Bestand des Amateurfilmstudios ist heute im Filmmuseum Potsdam überliefert, das auch die Rechte an den Filmen wahrnimmt.

Filmstill aus „Achtung! Achtung!“ (1982) des Amateurfilmclub des Ministeriums für Verkehrswesen Berlin. Mit freundlicher Genehmigung des Filmmuseums Potsdam.

Auch in diesem Fall haben wir die Filme des Bestandes gesichtet und protokolliert. Aus dem Bestand, haben wir wiederum eine Auswahl von 13 Filmen getroffen, die repräsentativ für den gesamten Bestand stehen. Filmclips sowie Beschreibungen zum Amateurfilmstudio und den Filmen sind nun auf der Seite von Musem Digital: Brandenburg zu finden.

Der dritte und letzte Bestand aus dieser Projektphase war der des Zentralen Amateurfilmstudios Stahl- und Walzwerk Brandenburg.
Über die Geschichte des Studios ist wenig bis gar nichts überliefert. Das hauseigene Amateurfilmstudio des Stahl- und Walzwerks in Brandenburg an der Havel, das bis zur Schließung im Dezember 1993 der größte Rohstahlproduzent in der DDR war, dokumentierte vorrangig die Arbeit im Werk. Ein wiederkehrendes Element sind die Siemens-Martin-Öfen des Werks sowie die technischen Errungenschaften bzw. Verbesserungen im Betriebsablauf, die z.B. in den Filmen „Wir im 20. Jahr …“ (1969) oder „Stahl aus Brandenburg“ (1969) dokumentiert werden.
Der Filmbestand des Zentralen Amateurfilmstudios Stahl- und Walzwerk Brandenburg ist im Industriemuseum Brandenburg an der Havel überliefert, das sich heute in den Gebäuden des ehemaligen Stahl- und Walzwerk befindet.
Aus diesem Bestand haben wir wiederum eine Auswahl von 4 Filmen getroffen. Filmclips sowie Beschreibungen zum Amateurfilmstudio und den Filmen sind nun auf der Seite von Musem Digital: Brandenburg zu finden.